25.02.2022

Bokeh-Effekt: So setzen Sie Unschärfe kunstvoll in Szene

Bokeh

Das aus dem Japanischen stammende Wort „Bokeh“ lässt sich mit „verschwommen“ oder „unscharf“ übersetzen. In der Fotografie beschreibt es die Qualität der unscharfen Bereiche von Bildern.

Wenn Fotografen einen unscharfen Hintergrund als gestalterisches Mittel einsetzen, wollen sie zumeist den Blick auf das Hauptmotiv lenken. Der sogenannte Bokeh-Effekt wird häufig in der Porträt- und Modefotografie, vor allem aber in der Makrofotografie eingesetzt.

Was ist unter dem Bokeh-Effekt zu verstehen?

In der Fotografie beschreibt der Begriff Bokeh einen Unschärfebereich, den der Fotograf bewusst gestaltet. Sowohl professionelle Fotografen als auch Hobbyfotografen machen sich den Bokeh-Effekt vor allem in der Makrofotografie und der Porträtfotografie zunutze. Sie können damit zum Beispiel ein Wunschmotiv im Vordergrund freistellen oder bestimmte Aspekte im Bild mehr oder weniger stark betonen. Typisch für Bokehs sind Lichtstrahlen und kleine Unschärfekreise, die durch eine im Hintergrund befindliche Lichtquelle (zum Beispiel die Lichter einer Ampel) erzeugt werden.

Um einen starken Bokeh-Effekt zu erhalten, sollten Sie diese drei Faustregeln beachten:

  1. Je weiter Sie die Blende öffnen, desto unschärfer wirkt der Hintergrund. Einen guten Bokeh-Effekt erzeugen Blende 1,4 und 2,8. Dagegen zeigen Blende 8 oder 16 den Hintergrund deutlich schärfer.
  2. Mit grossen Kamera-Sensoren lässt sich mehr Bokeh erzielen als mit kleinen. Das heisst, dass eine grosse Vollformat-Kamera einen kräftigeren Bokeh-Effekt erzeugt als eine kleinere Kamera mit einem sogenannten APS-C-Sensor. APS steht für „Advanced Photo System“ – ein Format, das für analoge Kameras entwickelt wurde. Mit einer Kompaktkamera oder einem Smartphone erzeugen Sie einen noch geringeren Bokeh-Effekt und dies zumeist nur bei Nahaufnahmen.
  3. Weitwinkelobjektive haben weniger Bokeh-Potenzial als Teleobjektive. Wenn Sie ein Motiv vor einem unscharfen Hintergrund herausheben möchten, sollten Sie eine Normalbrennweite oder besser noch eine starke oder leichte Tele-Einstellung (bezeichnet die Brennweite eines Objektivs) wählen.

Alle drei Regeln können Sie auch kombinieren. Das kräftigste Bokeh erzeugen Sie mithilfe einer Vollformat-Kamera mit einem starken Teleobjektiv. Dieses nutzen Sie mit Offenblende, also der grösstmöglichen Blendenöffnung des Objektivs, beispielsweise mit Blende 2,8.

Allerdings sind gute technische Daten nicht alles, es kommt auf die Details an. So ist eine Kamera möglicherweise mit einem grossen Sensor ausgestattet, hat dafür aber ein lichtschwaches Objektiv. Hier liefert eine andere Kamera mit einem kleineren Sensor dann mehr Unschärfe, wenn ihr Objektiv eine weiter geöffnete Blende hat.

Und auch die Art der Unschärfe ist unter Fotografen oft ein Thema. Je nach Optik fallen die Unschärferinge eckig, oval oder kreisförmig aus. Letzteres gilt als das beste Ergebnis. Viele Objektiv-Hersteller haben diesen Trend erkannt und bieten Objektivblenden mit neun oder elf statt der ursprünglichen sechs Lamellen an. Dadurch lassen sich eckige Unschärfekreise vermeiden.

Achtung bei der Einstellung der Blende

Wenn Sie bereits eine Fotokamera und ein Objektiv haben, besteht nur noch die Möglichkeit, die Hintergrund-Unschärfe mit der Blende zu verändern: Schalten Sie Ihre Kamera dazu auf „Blendenvorwahl“ (Zeitautomatik). Die Blende wird anschliessend von Hand festgelegt. Die Kamera ermittelt dazu automatisch die richtige Belichtungszeit.

Um ein kräftiges Bokeh zu erhalten, stellen viele Fotografen eine möglichst weit geöffnete Blende ein. Dabei ist zu beachten, dass viele Objektive bei vollständig geöffneter Blende nicht die volle Leistung erbringen. So erscheint das Hauptmotiv, das ohnehin scharfgestellt ist, noch ein wenig schärfer, wenn nicht mit der grösstmöglichen Blende gearbeitet wird. Für die ideale Schärfe ist es daher ratsam, die Blende ein wenig zu schliessen.

Eine vollständig geöffnete Blende kann zudem weitere Fehler hervorrufen, wie zum Beispiel chromatische Aberration oder Vignettierung. Chromatische Aberration, auch Dispersion genannt, ist ein häufiges Problem bei Objektiven. Zu den störenden Farbsäumen kommt es, wenn Farben durch die Linse falsch gebrochen werden, was wiederum zu einer Unstimmigkeit am Fokuspunkt führt. An diesem sind die Farben dann nicht wie gewünscht. Bei Vignettierung handelt es sich um eine Abschattung zum Bildrand hin. Möglicherweise wirkt sogar die ganze Aufnahme insgesamt etwas kontrastarm und weich, wenn die Blende vollständig geöffnet ist.

Für den Fall, dass Ihre Fotokamera keine Blendenvorwahl bietet, können Sie auch mit Motivprogrammen für Porträt und Sport eine weit geöffnete Blende für ein gutes Bokeh erzielen. Steht die Kamera hingegen auf Architektur oder Landschaft, blendet sie in der Regel ab und generiert einen recht detailreichen Hintergrund ohne nennenswerte Weichzeichnung.

Bildkomposition spielt beim Bokeh-Effekt eine grosse Rolle

Nicht allein die Kamera und das Objektiv entscheiden über einen weichen unscharfen Hintergrund. Der Bildaufbau beziehungsweise die Komposition (aus dem Lateinischen: compositio = Zusammenstellung) entscheidet beim Bokeh-Effekt ebenfalls mit. Damit der Hintergrund im Foto unschärfer erscheint, sollten Sie Ihr Motiv weiter von Pflanzen oder einer Wand entfernen. Gleiches gilt für Makroaufnahmen. Auch hier sollte das Hauptmotiv möglichst weit vom Hintergrund entfernt sein.

In diesem Zusammenhang kommen wir noch einmal auf die beliebten Unschärferinge zu sprechen. Durch diese wirkt die Unschärfe besonders gut. Die Ringe entstehen vor allem bei hellen Lichtpunkten in einer dunklen Umgebung. Einen schönen Bokeh-Effekt erzielen Sie beispielsweise durch

  • Lichtreflexe auf Metall, Glas oder Wasser,
  • Lichter in der Dunkelheit oder
  • Gegenlicht in teilweise durchlässigen Motiven und Blattlaub.

Testen Sie die unterschiedlichen Kamerapositionen. Überprüfen Sie ausserdem, inwieweit sich die Unschärferinge in der Grösse und Form verändern, wenn Sie etwas abblenden. Weitere Möglichkeiten für eine gut verteilte Unschärfe bieten Effekt-Objektive oder Spezialobjektive wie beispielsweise Tilt-und-Shift-Objektive, die sich manuell einstellen lassen. Diese Objektive waren ursprünglich für unverzerrte Architekturfotos vorgesehen.

Tipp: Welche Form der Helligkeitsbereich haben soll, können Sie auch selbst bestimmen. Mithilfe von Bokeh-Schablonen können Sie hübsche Blenden einfach selbst basteln. Alles, was Sie dafür brauchen, sind eine Schere, ein Bleistift, etwas Pappe und Klebeband. Auf die Pappe zeichnen Sie den Objektiv-Umriss sowie mittig den Umriss für das Symbol. Anschliessend schneiden Sie aus dem Karton Herzen, Punkte, Sterne oder andere Symbole aus und befestigen das Ganze an der Vorderseite des Objektivs. Die ausgeschnittenen Formen erzeugen wunderschöne Bokeh-Effekte.

Bokeh-Effekt am Smartphone erzeugen

Aufgrund der kleinen Sensorfläche erlaubten Foto-Handys vormals kaum Bokeh. Bei neueren Handys sieht das schon anders aus. Zumindest bei nahegelegenen Motiven entsteht eine deutliche Hintergrund-Unschärfe.

Einige Handy-Modelle bieten darüber hinaus eine Funktion, die sich „Blende“ oder „Live-Fokus“ nennt. Diese funktioniert folgendermassen: Sie fotografieren und steuern anschliessend per Regler die Hintergrund-Unschärfe. Dazu öffnen Sie das Foto in der Galerie und klicken auf das Symbol für die Regelung der Hintergrund-Unschärfe.

Fotos nachträglich mit einem Bildbearbeitungsprogramm bearbeiten

Zuletzt haben Sie die Möglichkeit, mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop Unschärferinge und Helligkeitsbereiche nachträglich zu simulieren. Sie können den Kontrast erhöhen, eine Hintergrund-Unschärfe erzeugen oder mit einzelnen Bildabschnitten experimentieren.

Das Bildprogramm Photoshop stellt für die Bearbeitung verschiedene Werkzeuge bereit, zum Beispiel das Freistellungswerkzeug, verschiedene Pinsel, das Verlaufswerkzeug sowie den „Gaußschen Weichzeichner“. Geeignetes Fotomaterial sind etwa Nachtaufnahmen, die im Hintergrund verschiedene Glanzlichter oder andere Lichtquellen zeigen.

Fazit: Holen Sie mit dem Bokeh-Effekt mehr aus Ihren Fotos heraus!

Das Wort „Bokeh“ meint in der Welt der Fotografie einen Unschärfebereich, den der Fotograf ganz bewusst gestaltet. Das Bokeh erlaubt Ihnen als Gestaltungsmittel ganz bewusst besondere Akzente zu setzen. Sie können im Bild bestimmte Aspekte hervorheben oder ein Motiv im Vordergrund freistellen. Besonders bei der Makrofotografie werden Sie gar nicht umhin kommen, mit Unschärfebereichen zu arbeiten. Aber auch in der Porträtfotografie ist das Bokeh ein beliebtes Stilmittel, um aussergewöhnliche Bilder mit sanft verschwimmenden Hintergründen zu schaffen.

Dabei tritt die Unschärfe in den unterschiedlichsten Formen in Erscheinung. Typisch sind Lichtstrahlen oder Unschärfekreise, die durch eine Lichtquelle entstehen. Ob bestimmte Unschärferinge im Hintergrund als schön empfunden werden, obliegt der eigenen subjektiven Wahrnehmung. Einige Bokehs werden als weich, andere als hart wahrgenommen. Je nach Objektiv gibt es unruhige und ruhige Farbsäume, Punkte und Verläufe im Motiv. Vermeiden Sie nach Möglichkeit unruhige Bokehs mit übermässig vielen Lichtreflexen, da hierbei nur selten die Übergänge zur Tiefenschärfe gut gelingen. Ansonsten sollen und dürfen Sie in Sachen Bokeh-Effekt stets auf Ihr eigenes ästhetisches Gefühl vertrauen.

Sie interessieren sich für die Fotografie und möchten mehr darüber erfahren? Dann werfen Sie einen Blick auf die Fotokurse von Foto-Marlin. In den Kursen bringen wir unseren Teilnehmern auf lockere Art die gestalterische Seite der Fotografie näher, gehen aber ebenso auf technische Aspekte ein.

Tags :